Presseschau


WAZ, 12. Dezember 2015
Mein Verein

Einsatz für eine vernachlässigte Gattung

Dr. Jürgen Wilbert
Hattingen. "Weihnachten ist, wenn die Herzen überlaufen - und die Mülleimer" - Aphorismen wie diesen von Werner Mitsch sind im Deutschen Aphorismus-Archiv zu finden, den der Förderverein unterstützt.
"Inzwischen sind die Menschen auch in der besinnlichen Zeit von Sinnen." Das ist ein Aphorismus von Dr. Jürgen Wilbert. Er ist der erste Vorsitzende des Fördervereins für das Deutsche Aphorismus-Archiv e.V. (DAphA). Der unterstützt das Archiv mit einem Bestand von etwa 3000 Büchern im Stadtmuseum.
Zwar sitzt der Verein wie das Archiv in Hattingen, doch die Mitglieder kommen aus Deutschland, Österreich, Slowenien. Vermehrt möchte der Vorstand an Themen Interessierte beteiligen - zum Beispiel an der Planung des siebten Aphoristiker-Treffens vom 4. bis 6. November 2016. Thema werden die Positionen des Aphorismus sein: Weisheit, Kritik, Impuls. Zur letzten psychologischen, allgemein menschlichen Ausrichtung konnte Wilbert den Tübinger Referenten Ludger Kühling gewinnen, der "seine therapeutische Beratung anhand von Aphorismen macht".
Aphorismus-Wettbewerb für jeden
Zudem läuft noch bis Mitte Februar ein Aphorismus-Wettbewerb, bei dem jeder Aphorismen, die sich aufs Tagungsthema beziehen, einreichen kann. Für alle Mitglieder gibt der Verein jährlich eine "dapha-depeche" heraus, in der die Vereinsaktivitäten vorgestellt werden. In einer Jahresgabe, einer kleinen Broschüre, beleuchten Jürgen Wilbert und Friedemann Spicker, der zweite Vorsitzende, alljährlich einen Aphoristiker - in diesem Jahr ist es Kurt Tucholsky. Einen Kalender mit Sinnsprüchen von Vereinsmitgliedern und dazu Kunstwerken von Künstlern teils aus der Region gibt der Verein heraus. Übrigens: Ein Aphorismus darf sich nicht reimen.
Als ausgewählter Ort im "Land der Ideen" ist das Archiv ausgewählt worden, erhielt kürzlich von der AVU die EN-Krone im Bereich Kultur. Die AVU will auch ein neues Projekt fördern: "Wir planen mit dem Heimatverein Blankenstein einen Weg der Besinnung im Gethmannschen Garten, dort sollen Schilder mit Aphorismen zu Mensch und Natur, weitergedacht zu Ökologie aufgestellt werden", erklärt Wilbert, "das wird uns 2016 beschäftigen". Etwa die Hälfte der 86 Vereinsmitglieder sind übrigens selbst Aphoristiker.
Informationsstände, Gespräche im Radio, Vorträge, Veranstaltungen: Wilbert und seine Mitstreiter tun alles, um eine Gattung ins Bewusstsein zu rufen, die "immer zu kurz kommt". "Fragt man, ob Menschen einen Leitspruch haben, zitieren viele Aphorismen", so Wilbert.
Die Angelika+Friedemann-Spicker-Stiftung ist Mitglied des Vereins und trägt zur Finanzierung des Archivs bei. In der Aphorismen wie dieser von Kurt Marti archiviert werden: "Die Ware Weihnacht ist nicht die wahre Weihnacht." Oder wie Wilbert sagt: "Auf den Weihnachtsmärkten wird auch die Besinnung zu Markte getragen."

von Lialine Zuuring
Foto: Walter Fischer

Förderverein für das Deutsche Aphorismus-Archiv

Internet: www.dapha.de oder deutsches-aphorismus-archiv.de

WAZ, Bochum 18.7.2014
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Ahnenforschung bei Aphoristikern

WAZ, Hattingen, 18.04.2013

Hattingen. Bei einem Regionaltag will das Deutsche Aphorismus-Archiv westfälische Sprachschätze heben. Und hat im Vorfeld Überraschendes herausgefunden

„Kurz – prägnant – westfälisch: Aphorismen und Aphoristiker aus Westfalen“ lautet der Titel einer Veranstaltung, die am Samstag, 20. April, von 10 bis 22 Uhr im Stadtmuseum in Blankenstein stattfindet. Und ausdrücklich nicht nur für Literatur-Experten, sondern jeden Interessierten offen ist.

Zwei Gründe gibt es für diesen Abstecher ins Westfälische. Einerseits haben sich am Internationalen Aphorismus-Wettbewerb 2012 mehr als 40 Autorinnen und Autoren aus Westfalen beteiligt. Andererseits ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe gerade dabei, das nicht nur gefühlte Übergewicht des Rheinlands bei der NRW-Kultur ein wenig aufzuweichen und Westfalen in den Blick zu rücken.

Stadtarchiv statt Mülltonne

Das Festival „Literaturland Westfalen“ ist Teil eines dazu aufgelegten Programms. Und die Hattinger Aphoristiker um Jürgen Wilbert, den Vorsitzenden des Förderkreises im Deutschen Aphorismus-Archiv, fühlten sich angesprochen.

Erstaunlich, was die Freunde der kurzen Gattungen bereits im Vorfeld der Veranstaltung zu Tage förderten. Den Nachlass von Theodor Kleff zum Beispiel. Geboren am 1. September 1917 in Bochum, hat der Verlagskaufmann, Korrektor, Lektor, Redakteur und Filmjournalist sein künstlerisches Schaffen ausgesprochen breit aufgestellt. Kleff, der am 30. Mai 1990 in Hattingen starb, hatte engen Kontakt zu Heinrich Böll und war 1949 Mitbegründer des „Rings junger Autoren Westdeutschlands“. Er schrieb Kinderbücher, verfasste Hörspiele, lieferte Übersetzungen – und setzte eben jene Gedankenflüge in die Welt, die das Deutsche Aphorismus-Archiv in Hattingen mit immer neuem literarischen Leben speisen.

„Liebe: Wenn zwei glauben, eins plus eins sei eins“, hat Kleff aufgeschrieben oder auch „Der Kuss - oft nur ein Lippen-Bekenntnis, bei dem der Lippenstift-Abdruck echter ist als der Druck der Lippen.“ Auch „Äußerer Reichtum geht fast immer auf Kosten innerer Werte“ und „Fortuna ist die launischste aller Göttinnen. Wer vor ihr katzbuckelt oder ihr gar nachstellt, den übersieht sie erst recht“ stammen aus seiner Feder. Einer aufmerksamen Hattingerin ist es zu verdanken, dass der Nachlass Theodor Kleffs nicht in der Mülltonne landete, sondern den Weg ins Hattinger Stadtarchiv fand.

Und so hat auch Theodor Kleff seinen Platz auf der Bühne des westfälischen Aphorismus’. Wie Johann Georg Hamann oder Hugo Ernst Käufer, wie Anselm Vogt oder Liselotte Rauner („Was gibt mir der Staat. Er gibt mir zu denken“). Literarische Kinder und Enkel jener Aphoristiker sind es, die sich jetzt am Samstag in Hattingen treffen sollen. Zum Westfälischen Tag gehören Rück- und Ausblicke, Workshops und Lesungen, Kabarett und Musik.

Ulrich Laibacher
Einige Aphorismen von Dr. Jürgen Wilbert wurden Aphorismen aus seinem jüngsten Band "Vorletzte Schlüsse" ins Italienische übersetzt.
Verantwortlich dafür zeichnet der ital. Aphoristiker-Kollege Fabrizio Caramagna.
Der Artikel dazu:

L’aforisma in Germania, Jürgen Wilbert

Posted on novembre 29, 2012
Jürgen Wilbert è nato nel 1945 a Dusseldorf dove attualmente vive. E’ scrittore di aforismi (il suo primo libro è del 1987) ed è un attivo promotore del genere aforistico in Germania. E’ fondatore dell’evento internazionale Aphoristikertreffen che si svolge ogni due anni a partire dal 2004 nella città di Hattingen, mentre nel 2005 ha fondato l’Associazione Aforistica Tedesca (Förderverein Deutsches Aphorismus Archiv Hattingen – Dapha) di cui è presidente dal 2008 e che ha come obiettivo quello di promuovere il genere dell’aforisma attraverso premi letterari, conferenze e seminari nelle scuole. [...]

:: Der gesamte Artikel: http://aforisticamente.com/2012/11/29/laforisma-in-germania-jurgen-wilbert/

Aphorismen im Deutsch-Unterricht

Stadtspiegel Hattingen, 05.12.2012

Hattingen: Schulzentrum Holthausen | (von Dino Kosjak)

„‚Aphorismus‘, das ist so ein hochtrabendes Wort. Was stellt ihr euch denn darunter vor?“ Dr. Jürgen Wilbert blickt die Schüler fragend an. Sefkan meldet sich: „Aphorismen kritisieren unsere politischen Verhältnisse“. „Genau, das ist ganz wichtig“, stimmt Jürgen Wilbert zu, „Aphorismen melden Widerspruch an.“ Und er bringt das sogleich mit einem eigenen Aphorismus auf den Punkt: „Aphorismen“, sagt Wilbert, „sind Stolpersteine für landläufige Meinungen.“
Die Klasse 10c der Marie-Curie-Realschule hat sich im Deutschunterricht bereits mit dem Thema beschäftigt. Lehrerin Susanne Borgmann sagt, sie zweifele dennoch, ob allen klar sei, was Aphorismen ausmache. Zusammen mit Jürgen Wilbert, dem Vorsitzenden des Deutschen Aphorismus-Archivs in Hattingen (DAphA), haben die Schüler heute Gelegenheit, offene Fragen zu klären – und sich an eigenen Aphorismen zu versuchen.
Zunächst fährt Jürgen Wilbert fort, mit den Schülern zu besprechen, wodurch sich Aphorismen auszeichnen. Sie drückten Lebensweisheiten aus, melden sich einige Schüler. Jürgen Wilbert stimmt zu, merkt aber an, dass das auch für Sprichwörter gelte. Er zitiert ein russisches Sprichwort: „Unsere Zunge hat keine Knochen, aber sie kann Knochen brechen.“ Er möchte wissen: „Ist das ein Aphorismus?“ Die Schüler sind unsicher. Gewiss sei dieses Sprichwort raffiniert und einem Aphorismus eng verwandt, erklärt Jürgen Wilbert. Aber es sei als Sprichwort auch anonym. Der Urheber eines Aphorismus sei dagegen immer bekannt.
Aus dem Deutschunterricht ist der Klasse ein Zitat Schillers vertraut: „Und es herrschte der Erde Gott, das Geld“. Der Urheber des Zitats ist bekannt und die Schüler fragen, ob es ein Aphorismus sei. Der Experte verneint, und hat Gelegenheit, ein weiteres Kriterium zu erläutern: Ein Aphorismus stehe für sich, er sei unabhängig von einem bestimmten Zusammenhang. Der besondere Witz des Zitats von Schiller erschließe sich jedoch nicht ohne Kenntnis des Gedichts, dem es entstamme. Als kürzeste Prosaform verzichteten Aphorismen zudem auf Reime, anders als viele Gedichte und Sprichwörter.
Mit der Unabhängigkeit eng verbunden ist ein weiteres Merkmal von Aphorismen: ihre Kürze. Gerade hierin liege eine große Stärke, so Wilbert: „Aphorismen bringen kurz und knapp Gedanken auf den Punkt, die sonst oftmals nur in dicken Büchern ausgeführt werden“. So gelinge es Aphorismen leicht, im Gedächtnis zu bleiben – und zum eigenständigen Weiterdenken herauszufordern. Bei der Frage nach den sprachlichen Mitteln zeigen sich die Schüler besonders gut vorbereitet. Häufig machten Aphorismen sich die Doppeldeutigkeit von Wörtern zunutze, meldet sich Felix. Und Marvin fügt hinzu, dass sie gerne Wiederholungen verwendeten. In einem einzigen Aphorismus veranschaulicht Jürgen Wilbert sogleich, wie das aussehen kann, wenn beides zusammenkommt, Doppeldeutigkeit und Wiederholung: „Viele bilden Vermögen, weil sie sich selbst nicht zu bilden vermögen.“
Vom heiteren Tonfall vieler Aphorismen sollten wir uns nicht täuschen zu lassen, warnt Jürgen Wilbert: „Aphorismen vermitteln ihre Botschaft in treffenden Bildern und mit Witz“, sagt er, „dennoch sind sie keine bloße Wortakrobatik.“ Im überspitzten Spiel mit Mehrdeutigkeiten und Gegensätzen zeige sich vielmehr Lebensnähe: „Auf diese Weise machen uns Aphorismen darauf aufmerksam, dass Widersprüche Teil unseres Lebens sind.“
Schließlich stimmt Jürgen Wilbert die Schüler darauf ein, sich an eigenen Aphorismen zu versuchen.
Hierzu führt er vor, wie sogar allzu oft gehörte Wendungen, die kaum noch Aufmerksamkeit erregen, aphoristisch neu belebt werden können: „Von dem, der den Kopf in den Sand steckt“, schmunzelt Jürgen Wilbert, „können wir doch auch sagen, dass er den Dingen auf den Grund gehe – oder?“
An Bekanntes sollen die Schüler auch im Folgenden anschließen. Jürgen Wilbert teilt Blätter aus, auf denen geläufige Wendungen und Satzanfänge dazu einladen, nach eigenen Ideen abgewandelt und vervollständigt zu werden. Dabei zeigt sich, dass es gar nicht so einfach ist, gewohnte Pfade zu verlassen: Demet hat den Satzbeginn „Liebe deinen Nächsten...“ vervollständigt mit „...wie dich selbst“. Das vertraute Motiv könne als Gesellschaftskritik gelesen werden, und hierin stehe es den Aphorismen nahe, erläutert Jürgen Wilbert. Nun aber gehe es darum, neue sprachliche Pointen zu erproben.
Das ist Larissa gelungen. Als Fortsetzung für „Liebe deinen Nächsten...“ schlägt sie vor: „...bevor es dein Partner tut“.

Der Mensch ist die Medizin des Menschen

Treffpunkt Hilden

Ein afrikanischer Abend mit Sprichwörtern und Musik in der Stadtbücherei.
Am 22. März stellen der Autor Jürgen Wilbert und der Musiker Joe Kiki ab 19.30 Uhr afrikanische Sprichwörter in der Stadtbücherei vor. ....
Der gesamte Text zum Herunterladen : pdf-Dokument :

Medizinische Aphorismen wirken rezeptfrei

Rheinische Post, 20.11.2010

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Aphoristiker Jürgen Wilbert:

Kurze Rede, langer Sinn

von Alexander Schulte Interview: Der Düsseldorfer Aphoristiker Jürgen Wilbert über blöde Wortspiele und geistreiche Sprüche.
WZ 17. September 2009
Düsseldorf.

Herr Wilbert, wie wird man denn Aphoristiker?

Wilbert: Das ist eine Geisteshaltung, die sich bei mir schon als Oberstufenschüler entwickelt hat, als ich auf ein Buch des großartigen polnischen Aphoristikers Stanislaw Lec gestoßen bin, "Unfrisierte Gedanken". Dieses Nicht-so-viele-Worte machen, nicht herumreden, auf den Punkt bringen, das hat mir damals schon sehr imponiert. Und im Anglistik-Studium bin ich dann auf viele gute Aphorismen von Mark Twain, Oscar Wilde und anderen gestoßen.

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Weisheiten auf Bierdeckeln

NRZ, Düsseldorf, 11.11.2009, Ursula Posny
Wenn Gedanken spielen gehen, dann verschlagen sie einem schnell die Sprache. Nicht so bei Jürgen Wilbert. Der 64-Jährige ist Spezialist für geistreiche Sinnsprüche und der beste Beweis, dass Aphoristiker keine toten Dichter sind.

"Aphorismen sind Lebensweisheiten in kleinen Portionen und kommen in der Literatur fast immer zu kurz", findet der Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Aphorismus und tritt an, dies zu ändern. So wie am Wochenende mit einem Workshop und kreativen Schreibübungen in der Volkshochschule.
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Sommerakademie: Lachen reinigt die Zähne

Wochenpost Langenfeld, 28. Juli 2009
Aphorismen - Ein Naserümpfen des Gehirns :: pdf-Dokument ::

Spiel und Erkenntnis

WAZ, 30.11.06
Jürgen Wilbert legt ein neues Büchlein mit Aphorismen vor.
Zygmunt Januszewski hat den Band ebenso ausdrucksstark illustriert

"Redefreiheit: früher ein Menschenrechtsartikel, heute nur noch ein Gebührensatz."
Einmal mehr nimmt sich Jürgen Wilbert die Freiheit, universal zu denken und prägnant zu schreiben. "Hirnbissiges" heißt sein neustes Buch voller staker Sprüche. Aphorismen sind die literarische Heimat des gebürtigen Düsseldorfers, Jahrgang 1954, der nach lehrtätigkeit zu Themen politischer Bildung siet 1980 in der Erwachsenenbildung , 1996 die Leitung der Hattinger VHS übernahm und 2006 die des Fachbereichs Weiterbildung und Kultur.
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Ulrich Laibacher

Die Weisheit passt in weniger Worte

Westfälische Rundschau, Autor Bernd Berke 3.11.06
Kleine Kunstform, großer Aha-Effekt. Auf solche Wirkung zielen Aphorismen ab. Im Idealfalle sind es geistreich zugespitzte Weisheiten in wenigen geschliffenen Worten. Irgendwie passend, dass eine kleinere Stadt sich anschickt, zum Zentrum der knappen Sinnsprüche zu werden: Hattingen hat's mit Kürze und Würze.
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WAZ, Di., 23. November 2004

Moderne Manager mit "Eiligenschein"

VHS-Chef präsentierte in Klinik Aphorismen "vom ungesunden Menschenverstand"
Von Jörg Kolesza
Lachen ist die beste Medizin: Das erlebten rund 40 Besucher, darunter viele amüsierte Patienten, bei der Lesung von VHS-Chef Dr. Jürgen Wilbert. Er präsentierte in der Klinik Blankenstein Aphorismen "vom ungesunden Menschenverstand".
Rund 100 Sinnsprüche von der Antike bis zur Neuzeit mischte er mit Anekdoten um die wiederentdeckte Literaturgattung. So fand in Hattingen vor kurzem ein internationales Aphoristikertreffen statt.
Aphorismen haben es schwer, als Kunstform durchzugehen. "Sie stehen in Illustrierten, sind so etwas wie Kurzprosa. Ursprünglich waren es medizinische Leitsätze des Arztes Hippokrates", erklärte Jürgen Wilbert. So ist denn auch zu erklären, dass der Arzt Gerhard Uhlenbruck als "Aphoristikerpapst" unserer Tage gilt. Er schrieb 30 Bücher, sammelte 20000 der beliebten Beobachtungen. Der Ausspruch "manche Ärzte sind Veterinäre, sie behandeln tatsächlich nur die hohen Tiere", stammt aus seiner Feder.
Aphorismen beinhalten oft eine Lebensweisheit. So überlegte der Kabarettist Werner Schneyder: "Wenn dir einer sagt, du seiest ruhiger geworden, kann das ein Grund zur Beunruhigung sein."
Kleine, gewitzte Sprachperlen stammen von dem Polen Jerzy Lec (1960 verstorben). Er sah seine Zeitgenossen so: "Sein Gewissen war rein, er benutzte es nie."
"Aphorismen sind auch oft Satire, haben eine Pointe", vermittelte Wilbert. So hat etwa Zigarrenliebhaber Churchill sein Laster mit dem klugem Spruch verteidigt: "Wenn ein Raucher ständig in der Zeitung liest, das Rauchen sei schädlich, hört er irgendwann auf ... zu lesen."
Nachdenkliches vermittelte auch folgender Spruch: "Es gibt 1000 Krankheiten aber nur eine Gesundheit." Auch "Zeiterkrankungen", wie Wilbert es nannte", kommentieren Aphorismen treffend. So litten moderne Manager an einem "Eiligenschein". Letztendlich gehöre zur Gesundheit das Glücklichsein, überlegte Wilbert. Das definierte Weltstar Ingrid Bergmann so: "Gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis."
Jürgen Wilbert hat drei Bücher mit Aphorismen verfasst. Unter ISBN 3-00-007266-7 ist "Kopfwehen - Denkanstößiges" erschienen.
www.aphoristiker.de

WAZ, Do., 27. Mai 2004

 Worte für das, was uns täglich die Sprache verschlägt

Fast 50 Liebhaber geistreicher knapper Gedanken trafen sich bei VHS-Veranstaltung über Aphorismen
Fast fünfzig Interessierte ließen sich im Café Satz von Jürgen Wilbert die Literaturgattung des Aphorismus näher bringen. Dabei hatte der VHS-Leiter, der auch eigene geistreiche, knapp formulierte Gedanken präsentierte, selbst mit einer so großen Resonanz nicht gerechnet.
"Das zeigt, dass die Gattung, die ja von vielen als besonders schwer zugänglich angesehen wird, vermittelt werden und sogar Spaß machen kann", freut sich Wilbert, "und das war ja schließlich mein Ziel." Die Veranstaltung wollte er als Einstimmung auf das erst bundesweite Aphoristikertreffen von 4. bis 7. November in Hattingen verstanden wissen.
Geboten wurde ein Überblick über die Geschichte der Kunstgattung, eine kurze Analyse der gängigen Stilmittel sowie eine von Wilbert zusammengestellte Auswahl an alten und neuen Meisterwerken. In den Pausen stellte der Düsseldorfer Gitarrist Thomas Battenstein einige selbstgeschriebene Lieder vor. Der Zuhörer wurde nicht dauerberieselt. "Die Aphoristiker ziehen sie in Gedankengänge herein, herausfinden müssen sie aber selbst", erläuterte Wilbert das Konzept, das das Publikum zu eigenem Denken anregen sollte. So wurden der wissenschaftlichen Definition von Friedemann Spicker, der den Aphorismus als "kontextuell isolierte, konzise, bis auf Satz und Einzelwort verknappte literarische Prosaform, im Grundsatz nichtfiktional..." charakterisiert, eingängigere Beschreibungen zur Seite gestellt. Demnach ist die Kunstform je nach Lesart "der letzte Ring einer Gedankenkette", "ein Stolperstein für landläufige Meinungen", "die als Handkuss verkleidete Ohrfeige" oder "der Versuch, Worte zu finden für das, was uns täglich die Sprache verschlägt".
Die Literaturgattung, die ihren Ursprung im alten Griechenland habe, heutzutage aber meist etwas vernachlässigt werde, soll laut Wilbert in Hattingen ein neues Heim finden. So soll im August eine Ausstellung mit Bildern des Lyrikers Robert Gernhardt, der Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg illustriert hat, stattfinden, bevor im November das Highlight auf dem Programm steht, für das es 20 feste Zusagen gibt.